Author Topic: Urheberrechtliche Würdigung von OFF (nach deutschem Recht)  (Read 8854 times)

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Offline hummel

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Urheberrechtliche Würdigung von OFF (nach deutschem Recht)
« on: March 01, 2008, 10:09:42 PM »
Nach gut einem Monat Recherche und Schreibarbeit habe ich nun endlich die erste Version meines "Rechtsgutachtens" über OFF veröffentlicht. Der Text stellt noch keine Endfassung dar, sondern befindet sich - wie auch die gesamte Entwicklung von OFF - im Fluss.

Bitte beachtet Folgendes:
- Der Text bezieht sich nicht auf die gegenwärtige Suchfunktion, sondern auf einen Änderungsvorschlag hinsichtlich der Erstellung von OFF Katalogen im DC-Netz-Verfahren (http://offsystem.info/content/view/35/48/ unteres Drittel). Ausserdem gehe ich davon aus, dass in Zukunft Streaming-on-Demand die standardmässige Zugriffsoption auf die im OFF System vorhandenen Medieninhalte sein wird. Streaming wird gegenüber der Herstellung von externen Kopien von den Entwicklern aus gutem Grund bevorzugt.
- Angesichts der bereits im Bereich von herkömmlichen Online-Applikationen (gewöhnliches P2P, Usenet, Sharehoster) herrschenden Rechtsunsicherheit ist mein Beitrag natürlich mit der entsprechenden Vorsicht zu geniessen.
- Ich bin offen für Kritik und Anregungen jeglicher Art und würde mich natürlich über euer Feedback freuen.

Hier der Link:
http://offcorps.org/files/copyright-off%20(v.1).pdf
« Last Edit: March 02, 2008, 07:47:22 AM by hummel »

Offline Markus

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Re: Urheberrechtliche Würdigung von OFF (nach deutschem Recht)
« Reply #1 on: March 01, 2008, 10:27:40 PM »
Ich kann an dieser Stelle nur wiederholen, was ich bereits zu deinem Entwurf gesagt habe: Tolle Arbeit und klasse gemacht. :) Eine rechtliche Würdigung von OFF dürfte für jeden (deutschen) OFF-User von großem Interesse sein.



Cheers,
Markus

Offline Äffchen

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Re: Urheberrechtliche Würdigung von OFF (nach deutschem Recht)
« Reply #2 on: March 03, 2008, 05:10:03 PM »
Klasse, vielen Dank für das Gutachten.

Offline bbtux

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Re: Urheberrechtliche Würdigung von OFF (nach deutschem Recht)
« Reply #3 on: March 27, 2008, 09:44:53 PM »
Super gemacht:) Muß ich mir mal antun , ist ja doch etwas länger:)


Offline Der Knappe

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Re: Urheberrechtliche Würdigung von OFF (nach deutschem Recht)
« Reply #4 on: April 05, 2008, 12:29:48 PM »
Hallo Hummel,

mir ist ein Fehler aufgefallen, auf Seite 15 im letzten Satz ist ein "dürfte" zuviel.
Quote
Abgesehen von eindeutigen Fällen der Verbreitung unveröffentlichten Materials,
dürfte es dürfte praktisch unmöglich sein zu beweisen, dass ein Werk rechtswidrig


Diese "Interpretation" von Rechtlichen Zusammenhängen halte ich(Laie) zumindest für Fragwürdig und in der möglichen Konsequenz sogar für gefährlich, sobald dem Nutzer eine womöglich falsche Sicherheit suggeriert wird.

Ich möchte jetzt hier auch keine Abhandlung schreiben, sondern meine bedenken nur in kurzen Sätzen unterbringen:

-   eine Verbreitungsabsicht würde ich schon in dem Moment unterstellen, in dem eine Datei in eine für die Verbreitung vorgesehene Plattform(System) gestellt wird, die ansonsten keine anderen relevanten Zwecke hinsichtlich dieser Datei erfüllt. Und nicht erst bei einer Freigabe in welcher Form auch immer.
-   Die hier genannte Ausführung, dass einzelne Teile eines Gesamtwerkes nicht mehr Urheberrechtlich geschützt wären wenn man nur Teile(Blöcke) davon verteilt, und diese erst wieder Urheberrechtlich geschützt sind, sobald sie wieder in ihrer Ursprungsform zusammengesetzt wurden, halt ich für gänzlich falsch. Ich habe da eine Aussage im Hinterkopf, das die wiederholte und systematische Vervielfältigung von unwesentlichen Teilen eines Werkes, insgesamt wieder eine Übernahme wesentlicher Teile bedeutet und somit Urheberrechtlich relevant ist. Ob ein Teil(Block) eines Werkes Urheberrechtlich geschützt ist, ist immer abhängig von der Beschaffenheit des Werkes. Eine Beurteilung hinsichtlich des Urheberrechts sollte auch immer Individuell anhand eines Werkes betrachtet werden und nicht pauschal.

Das war es ersteinmal, jetzt kommt Fussi. ;-)

Mich persönlich stört die Themen-Überschrift, sie lässt deine/eure Ausarbeitung in dem Licht der einzig, rechtlich korrekten Auslegung stehen. Sie ist letztendlich aber nur eine Interpretationsmöglichkeit von vielen und schon garnicht Rechtsverbindlich. Aber eben dieses wird sie vielen Usern suggerieren. Ein weiteres leistet der Begriff "Rechtsgutachten", wenn auch in Anführungszeichen gesetzt und der Zusatz in der Überschrift "nach deutschem Recht".

Grüße
Der Knappe
« Last Edit: April 05, 2008, 01:11:58 PM by Der Knappe »
hier darf jeder machen was er will
im Rahmen der freiheitlich-demokratischen-Grundordnung versteht sich.
Geizig, ich? Nä! Wenn ich gut drauf bin schmeiß' ich sogar schonmal Pfandflaschen ins Altglas. Da kenn' ich nichts!

Offline hummel

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Re: Urheberrechtliche Würdigung von OFF (nach deutschem Recht)
« Reply #5 on: April 05, 2008, 06:01:11 PM »
Diese "Interpretation" von Rechtlichen Zusammenhängen halte ich(Laie) zumindest für Fragwürdig und in der möglichen Konsequenz sogar für gefährlich, sobald dem Nutzer eine womöglich falsche Sicherheit suggeriert wird.

Mich persönlich stört die Themen-Überschrift, sie lässt deine/eure Ausarbeitung in dem Licht der einzig, rechtlich korrekten Auslegung stehen. Sie ist letztendlich aber nur eine Interpretationsmöglichkeit von vielen und schon garnicht Rechtsverbindlich. Aber eben dieses wird sie vielen Usern suggerieren. Ein weiteres leistet der Begriff "Rechtsgutachten", wenn auch in Anführungszeichen gesetzt und der Zusatz in der Überschrift "nach deutschem Recht".
Es war nie meine Absicht, meinen Aufsatz als die einzig richtige Ansicht darzustellen. Man muss ja kein Jurist sein, um zu wissen, dass die Juristerei eben keine exakte Wissenschaft ist und dass es so etwas wie eine rechtsverbindliche Auslegung gar nicht gibt. Zumindest in unseren Gefilden (d.h. Kontinentaleuropa) hat selbst ein Urteil des Bundesgerichts in der Regel keine Bindungswirkung für andere Gerichte.

Ich nehme zur Kenntnis, dass es einige User gibt, die sich dem nicht bewusst sind. Allerdings sehe ich nicht, weshalb ich deswegen meinen Beitrag gleich zu Beginn dementsprechend relativieren sollte. Denn wer sich den Text vom Anfang bis zum Ende durchliest (und wenigstens die Kernaussagen versteht), wird selber erkennen, inwiefern sich eine juristische Abhandlung von einem naturwissenschaftlichen Aufsatz unterscheidet. Daraus mache ich ja auch keinen Hehl.
Aber wenn jemand nur blind einzelne Aussagen aus dem Kontext reisst und sich deswegen in einer falschen Sicherheit wähnt, ist selber schuld. Dafür fühle ich mich in keiner Weise verantwortlich.

Ausserdem verspricht das Wort "Gutachten" nicht per se eine völlige Objektivität, wie viele fälschlicherweise annehmen. Es kommt genug oft vor, dass von den Parteien in Auftrag gegebene Privatgutachten sich total widersprechen. Und dies nicht etwa, weil die Gutachter manipuliert oder gar bestochen wurden(obschon auch das manchmal vorkommt). Nein, sie sind felsenfest überzeugt, das aus ihrer Sicht jeweils Richtige geschrieben zu haben. Allein durch die geschickte Wahl der des Gutachters lässt sich häufig das Ergebnis vorwegnehmen.
Der Ort der Veröffentlichung (offcorps.org) spricht an sich schon für eine gewisse Voreingenommenheit und mahnt eigentlich zur Vorsicht.

Nun ja, ich leugne natürlich nicht meine Sympathien, die ich für das OFF Projekt empfinde. Allerdings möchte ich klarstellen, dass ich zu dem stehe, was ich geschrieben habe. Und das sage ich mit reinen Gewissens, da es mir als Schweizer eigentlich völlig egal sein könnte, ob die Benutzung OFF in Deutschland legal ist oder nicht. In der Schweiz sind Privatkopien nämlich uneingeschränkt zulässig, auch wenn die Vorlage illegal hergestellt worden ist. Ausserdem werden bei uns nicht mal die Uploader (systematisch) verfolgt.

Wer meint, ich sei zu Beginn, als mich CaptainMorgan um eine rechtliche Analyse des OFF Systems bat, angesichts der ganz Deutschland überrollenden Abmahnwelle nicht skeptisch gewesen, der irrt also gewaltig. Die Auseinandersetzung mit der Literatur und einem grossen Teil der Gerichtsurteile hat aber viele meiner Zweifel zerstreut. Zum Beispiel war ich sehr angenehm überrascht, als ich sah, dass die heutige Lehre und Praxis dazu tendiert, das Setzen von Links nicht als Zur-Verfügung-Stellen im Sinne des UrHG zu qualifizieren.

Quote
-   eine Verbreitungsabsicht würde ich schon in dem Moment unterstellen, in dem eine Datei in eine für die Verbreitung vorgesehene Plattform(System) gestellt wird, die ansonsten keine anderen relevanten Zwecke hinsichtlich dieser Datei erfüllt. Und nicht erst bei einer Freigabe in welcher Form auch immer.
Ich habe explizit geschrieben, dass die Rechtswidrigkeit der Kopiervorlage im Falle einer solchen anfänglichen Verbreitungsabsicht bejaht wird.
(mindestens von einem Teil der Lehre ). Allerdings differenziert diese Ansicht danach, ob die Absicht von Anfang an bestand oder sie erst später gefasst wurde.

Zum einen haben Gerichte im Zusammenhang mit Rapidshare erkannt, dass das Uploaden einer geschützen Datei (und die Weitergabe des Links im engen Freundeskreis) zulässig ist. Warum bei OFF etwas anderes gelten sollte ist mir schleierhaft.

Zum Beispiel kann man eine Datei auch nur für private Archivzwecke (mit gleichzeitiger Verschlüsselung) ins OFF-Netz stellen.
Ausserdem kann auch ein Freund des Einstellers, der die URL erhalten hat, diese veröffentlichen.
Es gibt also durchaus Fälle, in denen keine anfängliche Verbreitungsabsicht besteht. Das Gegenteil im Einzelfall zu beweisen wird praktisch ein Ding der Unmöglichkeit sein, obschon es der Normalfall sein dürfte. Wenn aber sogar rechtswidrig, nicht aber offensichtlich rechtswidrig, hergestellte Vorlagen zur Herstellung einer Privatkopie berechtigen, muss letztere bei einer solchen illiquiden Beweislage umso mehr zulässig sein.

Quote
-   Die hier genannte Ausführung, dass einzelne Teile eines Gesamtwerkes nicht mehr Urheberrechtlich geschützt wären wenn man nur Teile(Blöcke) davon verteilt, und diese erst wieder Urheberrechtlich geschützt sind, sobald sie wieder in ihrer Ursprungsform zusammengesetzt wurden, halt ich für gänzlich falsch. Ich habe da eine Aussage im Hinterkopf, das die wiederholte und systematische Vervielfältigung von unwesentlichen Teilen eines Werkes, insgesamt wieder eine Übernahme wesentlicher Teile bedeutet und somit Urheberrechtlich relevant ist. Ob ein Teil(Block) eines Werkes Urheberrechtlich geschützt ist, ist immer abhängig von der Beschaffenheit des Werkes. Eine Beurteilung hinsichtlich des Urheberrechts sollte auch immer Individuell anhand eines Werkes betrachtet werden und nicht pauschal.

Da bin ich mit dir völlig einig. Wahrscheinlich ist ein Datenblock von 128kb genügend gross, um als Werksteil zu gelten. Und dass es einen Unterschied gibt zwischen 128kb Plain Text und 128kb Divx-Video, ist ebenfalls klar. Allerdings werden im OFF System gerade keine Teile von Dateien getauscht.
Hier findest Du mehr über das "Xoren" von Werken: http://forum.piratenpartei.de/viewtopic.php?t=3867
Falls Du dazu noch Fragen oder Einwände dagegen hast, kannst Du sie aber gerne äussern. Am besten hier: http://board.planetpeer.de/index.php/topic,4207.0.html.
« Last Edit: April 09, 2008, 09:10:26 PM by hummel »

Offline ContractSlayer

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Re: Urheberrechtliche Würdigung von OFF (nach deutschem Recht)
« Reply #6 on: July 06, 2011, 10:35:41 AM »
Mittlerweile dürfte doch Hummels Theorie bezüglich OFF hier in Deutschland auch nicht mehr aufgehen oder?
Habe diesen Artikel von einen Anderen Board was sich mit OFF, Stealthnet und IP2 beschäftigt.

Quote
Auf verschiedenen Boards wurde mir oft die Frage gestellt,
warum die Störerhafung auch für die meisten anonymen Netzwerken gilt.
Nach etlichen erfolgreichen Diskussionen habe ich mir mal die Mühe gemacht, eine einfach verständliche aber trotzdem ausführliche Erläuterung über die Störerhaftung zusammenzustellen.

Für Kritik und Ergänzungen bin ich gerne offen.

Die Störerhaftung:

Oft wissen die Anschlussinhaber nichts von den Filesharing Aktivitäten die über ihren Internetanschluss begangen wurden, bis Ihnen eine Abmahnung eines Rechteinhabers ins Haus flattert. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein offenes W-LAN betrieben wird oder Dritten der Zugang zu dem Anschluss ermöglicht wird, beispielsweise Mitgliedern einer WG oder auch den eigenen Kindern, Hotelgästen etc..
Sofern der Anschlussinhaber in einem Gerichtsverfahren dann nachweisen kann, dass er selber die Urheberrechtsverletzung nicht begangen hat, sondern Dritte ohne seine Kenntnis, kommt eine Haftung als Täter der Urheberrechtsverletzung in den meisten Fällen nicht in Betracht.

Allerdings wird der Anschlussinhaber von vielen Gerichten im Wege der Störerhaftung auf Unterlassung zukünftiger weiterer Rechtsverletzungen
sowie auf Erstattung der Anwaltskosten für die Abmahnung haften.
Der Unterschied zwischen täterschaftlicher Haftung und Störerhaftung ist somit, dass nach der Rechtsprechung des BGH der Anschlussinhaber der lediglich Störer ist (nur) auf Unterlassung und Ersatz der Abmahnkosten, nicht jedoch auf weitergehenden Schadensersatz haftet.

Grundgedanke der Störerhaftung:

Grundgedanke der Störerhaftung ist, dass der Inhaber eines Internetanschlusses dem Verletzer durch die Bereitstellung seines
Internetanschlusses erst die Möglichkeit gegeben hat, ein Recht eines unbeteiligten Dritten zu verletzen.

Daher kann er nach der Rechtsprechung zumindest mitverantwortlich für die Rechtsverletzung sein. Die Störerhaftung darf jedoch nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes nicht über Gebühr auf den Anschlussinhaber erstreckt werden, da nicht er selbst die Rechtsverletzung begangen hat.

Deshalb wird für die Haftung des Anschlussinhabers zusätzlich die Verletzung von sogenaten „Prüfungs- oder Überwachungspflichten“ gefordert. Deren Umfang bestimmt sich danach, ob und inwieweit dem als Störer in Anspruch Genommenen nach den Umständen des Einzellfalles eine Prüfung bzw. Überwachung seines Anschlusses sowie derjenigen Personen, denen er den Zugang zum Internet ermöglicht, möglich und zumutbar ist.

Die (Störer-)Haftung des Anschlussinhabers für Urheberrechtsverletzungen Dritter

Wie ein Anschlussinhaber für Rechtsverletzungen seiner Kinder, Freunde, Arbeitnehmer oder auch seiner Gäste (z.B. in einem Internetcafe, Hotel etc.) haftet, ist bislang in der Rechtsprechung noch umstritten. Hier kommt es auch darauf an, ob im Einzelfall Prüfungs- und / oder Überwachungspflichten bestehen und verletzt wurden.
Nur in diesem Fall haftet der Anschlussinhaber auch für Rechtsverletzungen Dritter.

Nach der Rechtsprechung des BGH allerdings dann auch lediglich auf Unterlassung und Ersatz der Anwaltskosten für die Abmahnung.
Die Gerichte gehen ganz überwiegend davon aus, dass sowohl ein privater, als auch ein gewerblicher Anschlussinhaber gegenüber Dritten,
denen er den Zugang zum Internet über seinen Anschluss ermöglicht, sehr umfangreichen Prüfungs- und Überwachungspflichten unterliegt:
Zitat:
„Hiernach hätte es der Beklagten zu 1) nicht nur oblegen, den zugangberechtigten Dritten ausdrücklich und konkret zu untersagen, Musik mittels Filesharing-Software aus dem Internet herunterzuladen. Sie hätte weiterhin wirksame Maßnahmen zur Verhinderung der Rechtsverletzungen ergreifen müssen. Hierzu war sie als Inhaberin des Internetanschlusses auch unzweifelhaft in der Lage. So hätte ein eigenes Benutzerkonto mit beschränkten Rechten eingeräumt werden können. Des Weiteren wäre auch die Einrichtung einer wirksamen “firewall” möglich und zumutbar gewesen, durch die die Nutzung einer Filesharing-Software verhindert werden kann.
[Beschluss des Landgerichts Köln vom 01.12.2010; Az.: 28 O 594/10]

Zusammenfassung der Prüfungs- und Überwachungspflichten von Anschlussinhabern:

Zusammengefasst werden demnach folgende Prüfungs- und Überwachungspflichten sowohl von privaten als auch von gewerblichen Inhabern von Internetanschlüssen verlangt:

- W-LAN-Netzwerke müssen mit – zum Zeitpunkt des Kaufs – marktüblichen Verschlüsselungstechniken geschützt werden;
- Ausdrückliches und konkretes Untersagen von Filesharing an Haushaltsangehörigen und sonstigen Dritte, z.B. Kinder, Freunde, Gäste, Arbeitnehmer etc.;
- Einrichten von eingeschränkten Benutzerkonten auf den PCs, denen der Zugriff zum Internet gewährt wird
(offensichtlich um die Installation von Filesharing-Software beispielsweise durch minderjährige Kinder oder sonstige Dritte zu verhindern);
- Sperrung der üblichen Routerports über welche sich die Filesharing-Programme mit den anderen Clients verbinden.
- Ausschalten des Routers bei – zumindest mehrtägiger – Abwesenheit.

Sofern diese Maßnahmen demnach nicht dargelegt und nachgewiesen werden können, sieht die mehrheitliche Ansicht unter den Instanzgerichten eine Störerhaftung des Anschlussinhabers mit der Folge, dass der Anschlussinhaber für die Rechtsverletzungen Dritter zumindest auf Unterlassung und Ersatz der Abmahnkosten haftet.

Das Problem der Störerhaftung:

Die strenge Ansicht der Gerichte zur Störerhaftung hat seinen Ursprung in der unter den Richtern der Urheberspezialkammern weit verbreiteten Ansicht, dass jeder – auch private – Inhaber eines Internetanschlusses über Filesharing-Programme an sich, die grundlegende Funktionsweise (Download=Upload) sowie die Möglichkeiten Filesharing zu verhindern, bestens bescheid wissen müsse und daher auch dafür sorgen müsse, dass Filesharing durch Dritte, denen der Zugang zum Internet über den eigenen Anschluss gestattet wird, verhindert wird, so z.B. LG Köln,
Beschluss vom 01.12.2010; Az. 28 O 594/10:
Zitat:
„Wenn die Beklagte zu 1) Dritten, auch und gerade Mitgliedern ihres Haushalts, innerhalb ihres Haushalts einen Computer und einen Internetzugang zur Verfügung stellte und ihnen dadurch die Teilnahme an der Musiktauschbörse ermöglichte, dann war dieses willentliche Verhalten adäquat kausal für die Schutzrechtsverletzung.
Jedenfalls seit dem Auftreten der Filesharing-Software Napster” im Herbst 1999 ist derartiges auch nicht mehr ungewöhnlich und wird insbesondere und gerade von Jugendlichen vielfältig in Anspruch genommen.
Durch die gesetzgeberischen Bemühungen, dem entgegenzuwirken, und dem verstärkten Tätigwerden der Strafverfolgungsbehörden
ist dieser Umstand in den letzten Jahren auch nachhaltig in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt worden. Diese Diskussion wird in den Medien bis zum heutigen Tag regelmäßig zum Gegenstand der Berichterstattung gemacht.
Vor diesem Hintergrund kann niemand – auch nicht die Beklagte zu 1) – die Augen davor verschließen, dass das Überlassen eines Internetzugangs an Dritte die nicht unwahrscheinliche Möglichkeit mit sich bringt, dass von diesen derartige Rechtsverletzungen begangen werden.
Dieses Risiko löst Prüf- und Handlungspflichten desjenigen aus, der den Internetzugang ermöglicht, um der Möglichkeit solcher Rechtsverletzungen vorzubeugen
(vgl. hierzu BGH GRUR 2010, 633 ff.).“

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Bisher ist mit nicht bekannt, dass jemals ein Benutzer von einen anonymen Netzwerk mit der Störerhaftung in Konflikt geraten ist, dass soll jedoch nicht heißen, dass dies nie passieren wird.
Dies hängt u.a. auch mit den Benutzerzahlen der unterschiedlichen Netzwerke und Plattformen ab.
Da der Benutzeranteil von anonymen Netzwerken im verglich zu Bittorrent oder OCHs sehr gering ist, haben die Abmahner (noch) keinerlei Interesse an anonymen P2P.
« Last Edit: July 06, 2011, 10:42:16 AM by ContractSlayer »

Offline snsnsnsn

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Re: Urheberrechtliche Würdigung von OFF (nach deutschem Recht)
« Reply #7 on: July 14, 2011, 08:42:23 AM »
Ich habe die PDF Datei jetzt nicht gelesen. Möglikcherweise sollte das Rechtsgutachten in dem Punkt angepasst werden. Eine (Mit)störerhaftung kann bei OFF nicht gegeben sein.

Bekanntlich kann mit jedem denkbaren Block jede Datei der Welt erzeugt werden wenn man den richtigen Schlüssel und restlichen Blöcke hat. Das bedeutet ein Abmahner kann zwar beweisen daß aus einem Block eine geschützte Datei erstellt werden kann. Der Nutzer kann jedoch glaubwürdig belegen daß der Block ebenfalls jede andere geschützte Datei anderer Inhaber und vor allem freie Dateien erstellt werden können.

Zensurfreiheit ist ein vom GG besonders geschütztes Grundrecht. Würden die Blöcke also abgemahnt werden können fände eine strafbare Zensur aller Dateien dieser Welt statt.

Weiterhin wäre zu klären wer den Nutzer abmahnen darf wenn man mit einem Block zwei geschützte Dateien verschiedener Anbieter erstellen kann was wohl der Normalfall sein dürfte weil Blöcke widerverwendet werden. Wenn ein Rechteinhaber ein Recht an den Blöcken hat kann der andere Anbieter dieses Recht nicht ebenfalls haben, er wäre ja selbst ein Raubkopierer weil er etwas zum Geldverdienen durch Abmahnunge beansprucht das dem anderen gehört. Bedeutet das daß nur der erste der das Recht auf einen Block anmeldet eine Art Verwertungspatent erhält? Kann dann also auch der Nutzer diesen Block zuerst patentieren weil er seine Urlaubsvideos zum blocken benutzt hat?

Im Zweifelsfrei sind unveräußerliche Grundrechte des GG mehr wert als jedes Urheberschutzgesetz. Vor dem Bundesverfassungsgericht würde die Abmahnung zweifelsfrei gekippt.

Dieses Risiko können die Abmahner nicht eingehen denn wenn sie eine Klage bis in das höchste Gericht riskieren den sie zweifelsfrei verlieren würden würde jeder anstelle des unsicheren Emule OFF benutzen da dies ein Freibrief zum straffreien Raubkopieren darsstellen würde. Oder Emule würde um die locktechnik erweitert. Dass wäre der Supergau für alle Rechteinhaber. Die Firma die die Abmahner beauftragt hätte würde durch die anderen vernichtet.

Benutze mal die OFF Suchfunktion. Dort gibt es inzwischen fast alles und niemand mahnt ab.

Offline ContractSlayer

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Re: Urheberrechtliche Würdigung von OFF (nach deutschem Recht)
« Reply #8 on: July 20, 2011, 05:37:17 PM »
Quote
Ich habe die PDF Datei jetzt nicht gelesen. Möglikcherweise sollte das Rechtsgutachten in dem Punkt angepasst werden. Eine (Mit)störerhaftung kann bei OFF nicht gegeben sein.
Solltest Du mal, denn Hummel hatte zu der damaligen deutschen urheberrechtlichen Würdigung von OFF schon gewisse zweifel.
Er behauptet zwar, dass OFF in gewisser weise sicherer sei als mache anderen anonymen Netzwerke, es jedoch auch Schwachpunkte habe, z.B. das veröffentlichen der URLs oder das die Blöcke in OFF doch einiges an Informationen über den Kommunikationspartner aussagen, so das man im Idealfall den eigentlichen Inhalt der Blöcke herausfindet.

Zu dieser Zeit (ist 3Jahre her) war jedoch die Gesetzeslage im Internet in Deutschland noch nicht so verschärft wie heute.

Hummel hat auch versucht ein eigenes anonymes Netzwerk zu entwickeln, dass nicht die Schwachpunkte von OFF habe, jedoch auch zum größten Teil nach den OFF Prinzip funktioniert.
Er hatte an alle Sicherheitskriterien gedacht, jedoch scheiterte sein Projekt an der Umsetzung, da sein Vorhaben einfach zu komplex war um es alleine zu Programmieren.

Seine Idee von der perfekten anonyme Tauschbörse wird hier genau erklärt.
http://board.planetpeer.de/index.php?topic=4275.0  

Dort geht er auch nochmal auf einige Schwachpunkte von OFF ein:
Quote
Zwar verrät ein durchgeleiteter Block nur wenig über die eigentlichen Tauschpartner. Jedoch lässt sich durch wiederholte Messung relativ viel herausfinden. Dies deshalb, weil ein Knoten nicht einfach irgendwelche zufälligen Datenblöcke anfordert, sondern solche, die miteinander zusammenhängen. Vor allem lassen sich die Blöcke einzelner Dateien korrelieren, wenn deren Aufteilung bekannt ist. Weil auch der Client eines normalen Benutzers irgendwie herausfinden muss, welche Blöcke für die angefragte Datei benötigt werden, hat auch ein allfälliger Angreifer diese Möglichkeit.
Hat der Feind überdies genügend Knoten zur Verfügung, kann er diese (mehr oder weniger) gezielt einsetzen, um seine Nachbarknoten damit auszuspionieren. Im schlimmsten Fall (bei genügend vielen Einzelbeobachtungen) kann er mit einer hohen Wahrscheinlichkeit feststellen, was ein beobachteter Knoten gerade lädt oder anbietet.

Quote
Eine (Mit)störerhaftung kann bei OFF nicht gegeben sein.
OFF unterliegt wie fast alle anonymen und nicht anonymen Netzwerken den Prüfungspflichten.
Damit ist gemeint, dass man als Geschäfts sowie Privatanwender sein möglichstes versucht um Urheberrechtsverletzungen über den eigenen Internetanschluss zu unterbinden (z.B. mit aktiver Firewall, sperren von Ports, mehrere Benutzerkonten, WLan Verschlüsselung usw.)
Sollte es trotzdem zu einer zu einer Abmahnung als Störer kommen, muss der Betroffene (vor Gericht) nachweisen, dass er sein bestmögliches getan hat um Urheberrechtsverletzungen zu vermeiden.

Mich würde gerne mal interessieren, was man bei der Benutzung von OFF vorm Gericht erzählen soll?
Das man keine Ahnung von der Funktionsweise von OFF hat oder sich für die Freiheit der Meinungsrechte im Internet per OFF einsetzt?
Das wird definitiv nach hinten los gehen!
Mittlerweile wissen die Richter und Anwälte, dass man legale, freie Files über Server der Websites oder Bittorrent schneller und einfacher bekommt.
« Last Edit: July 20, 2011, 06:15:43 PM by ContractSlayer »

Offline snsnsnsn

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Re: Urheberrechtliche Würdigung von OFF (nach deutschem Recht)
« Reply #9 on: July 23, 2011, 01:19:55 PM »
Die Spionagemöglichkeit ist einfacher zu basteln. Ein veränderter Klient fragt alle Knoten im Netz ab. Danach trennt er die Verbindungen zu allen Benutzern bis auf einen. Läd der Angriffsknoten dann noch Daten kommen die Daten zweifelsfrei von dem verbundenen Knoten. Hat der Angreifer einen riesigen Cache von annähernd 100% ist auch feststellbar welche Daten geladen werden.

Die Beweise sind aber wertlos:
- Die empfangenen Blöcke könnten alle zu einer Linux CD gehören. Der ladende kann das genauso wenig kontrollieren wie der vorherige Blocker. Die Daten können auch aufgrund der Verteilfunktion wie eine Cachevergrößerung stammen.
- Die versendeten Blöcke müßen keine eigenen Dateien sein sondern können aus den Cache stammen. Dies ist von außen nicht nachweisbar. Somit ist keine Abmahnung möglich da dieser die Beweise beigelegt werden müßen. Es gilt auch hier im Zweifel für den Angeklagten.
- Die Prüfungspflicht von OFF kann nicht wahrgenommen werden. Beim Laden kann man nicht beurteilen ob eine legale Datei mit einer illegalen Datei geblockt wurde. Das LG Hamburg hat zu Rapidshare entschieden daß technische MAßnahmen zumutbar sein müßen. Bei OFF ist keine für Anwender zumutbare Technik denkbar.

Auf dieser Rechtsgrundlage kann keine Abmahnung erstellt werden. Es wird somit niemals vor Gericht kommen. Wenn doch würden sie im Bundesverfassungsgericht scheitern. Da OFF legal benutzt werden kann würde eine strafbare Zensur legaler Daten vorgenommen und dem Anwender rechtswidrig verboten eine legale Technik einzusetzen. Was das Gericht über Bittorrent weiß oder vermutet ist egal. Wenn jemand eine kleine Tauschörse einsetzen will hat er nach GG das Recht dazu. Das Risiko vor dem höchsten Gericht zu scheitern geht kein Anwalt ein. Es wäre der staatliche Freibrief zur Raubkopieverteilung und alle anderen Tauschbörsen würden ebenfalls die OFF Technik einbauen.

Offline echelon

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Re: Urheberrechtliche Würdigung von OFF (nach deutschem Recht)
« Reply #10 on: August 18, 2011, 05:26:07 PM »
Das ist ja nun doch etwas blauäugig.
Ganz einfach: alle OFF nutzer sind eine kriminielle Vereinigung zum Illegalem Datenaustausch. fertig.
Und es gibt genug, die einfach mal so loslegen, egal wie die aussichten sind. Nicht umsonst gibt es so viele Softwarepatente oder Abmahnungen oder andere Dinge, die einer Überprüfung nicht stand halten würden. Nur niemand überprüft diese zeitnah.
Somit: nichts ist sicher.
(und wie woanders geschrieben: solange du eine IP als ID hast, bist du gefunden und hast verloren. Sorry.)